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Solnhofener Platten aufpeppen

SL383468-Frühling mit Solnofener Platten-600

 

 

Naturraue (bruchraue) Solnhofener Platten sind empfindlich und eigen. Sie waren in den 50er Jahren - bis in die 60er Jahre hinein - der Hit für Terrassen- und Gartengestaltung, manchmal auch innerhalb von Wohnungen. Wenn man sich  jahre- oder jahrzehntelang nicht um sie kümmert, werden sie immer häßlicher und am Ende kann man sie auch bei gutem Willen kaum noch retten. Am Schlimmsten ist es, wenn man sie aus Unwissenheit mit Säure gereinigt hat. Dann werden sie für immer gräulich und stumpf und ihr schönes Weiß ist hin. (Es handelt sich um Kalkstein, der säureempfindlich ist). Hinzu kommt, daß die Platten empfindlich sind bzgl. Bruch und Abplatzen von Oberflächenteilen in der freien Witterung. Man muß sich also jedenfalls auch noch um die Fugen, auch um abgesplitterte Teile kümmern, was ich mit Flex-Fließenkleber mache, nicht mit einer normalen Zementmischung.

In unserem Garten sind relativ viele von diesen Natursteinen verlegt, und es ist mir gelungen, sie einigermaßen wieder in Schuß zu bringen. Allerdings ist es wichtig, daß man am Ball bleibt, d.h. daß man sie alle zwei Jahre gründlich angeht, weil sie bald wieder verschmuddeln. Wie ich die Reinigung handhabe, wird also hier jetzt genauer dargelegt.

 

So unansehnlich können Solnhofener Platten werden, wenn man sich jahrelang nicht um sie kümmert:

 

SL383393-unansehnlich-1-600

 

 

SL383395-unansehnlich-2-600

 

 

SL383398-unansehnlich-3-600

 

 

SL383400-unansehnlich-4-600

 

 

 

Vorher - Nachher

 

SL383472-vorher-nachher-600

 

 

 

 

 

Vorgehensweise bei der Reinigung:

 

1. Mit Algenkiller einsprühen (gut eine Woche einwirken lassen)

2. Anlauger auftragen (Viertel bis halbe Stunde einziehen lassen)

3. Abkärchern (oder mit Schrubber bzw. Wurzelbürste kräftig schrubben)

4. schwarze Pilzflecken mit Messingdrahtbürste angehen

5. Arbeitsgang: Ausbessern der Platten

6. evtl. zum Abschluß ein Oberflächenschutz

 

 

1. Arbeitsgang: Mit Algenkiller einsprühen

 

Hier sind die Arbeits-Utensilien abgebildet. 1. Der Grünbelag-Entferner 2. Das Drucksprühgerät 3. Die Laugenschutz-Handschuhe aus PVC (4. Atemschutzmaske und 5. Schutzbrille wären sinnvoll, benutze ich jedoch nicht).

 

SL383402-Algenkiller-alle Utensilien

 

 

Der Algenkiller von Mellurud hat sich für mich bewährt. Ich nehme ein Mischungsverhältnis von ungefähr 2:3.  D.h. 2 Liter Algenkiller und 3 Liter Wasser (zusammenschütten in einem 5 Liter-Behälter) sind durchaus ausreichend, um Grünbelag zu entfernen. Ich weiß eigentlich nicht genau, wie weit man das Zeug noch sinnvollerweise verdünnen kann, will aber auch kein Risiko eingehen, dass die Arbeit umsonst war, und zum Experimentieren habe ich keine Zeit..

 

      SL383405-Grünbelag-Entferner-Behälter

 

 

SL383407-Grünbelag-Entferner-Eigenschaften

 

 

SL383409-Grünbelag-Entferner-Gebrauchsanweisung

 

 

Für größere Flächen ist dieses Drucksprühgerät sehr praktisch - auch wenn es einige Arbeit macht (Zusammenbau, Abbau & vor allem nach der Anwendung die Reinigungsprozedur samt Trocknung). Für kleinere Flächen sollte man einen großen Pinsel nehmen.

 

 

      SL383404-Drucksprühgerät

 

 

Einsatz des Algenkillers. Ich mache das mindestens 1 Woche bevor ich mit dem eigentlichen Reinigen anfange. Nach ein paar Tagen sieht man deutlich, wie sich Algen vergrauen und Moos abstirbt. Das hält dann tatsächlich einige Zeit an. Aber im nächsten Jahr spätestens geht’s wieder los.

 

SL383417-Einsatz des Algenkillers

 

Zur Reinigung des Spritzgeräts benutze ich eine Wanne und einen Gartenschlauch - so lange, bis sich kein Schaum mehr bildet. Den dünnen Spritzschlauch mit Spritze benutze ich dann (nach dem Druckaufbau mit der Pumpe) mit klarem Wasser im Behälter zur Reinigung bis sich beim Spritzen kein Schaum mehr zeigt.

 

 

 

 

2. Arbeitsgang (mein Spezialtrick): Anlauger

 

Der “Anlauger & Entfetter” hellt nach meiner Erfahrung diese (vielleicht auch andere) Natursteinplatten auf und gibt ihnen (öfters als man denkt) ihr ursprüngliches Weiß wieder zurück. Auf diesen Trick müßte ich eigentlich ein Patent anmelden!

 

Hier sind so die Haupt-Utensilien dargestellt. Man braucht klares Wasser (linker Eimer) und einen Eimer zum Anrühren des Anlaugers (rechts) und einen Meßbecher (vorne). Das Mischungsverhältnis ist in der Regel 1 Liter Wasser auf 100g Anlauger. “Molto”-Anlauger sind mittlerweile schwer zu bekommen, (oder viel zu teuer) aber es gibt auch genauso gute andere (billigere) Anlauger im Internet, z.B. bei Amazon “Pufas” Anlauger Intensivreiniger und Entfetter. - Barbara nimmt übrigens zum Einrühren des Pulvers in das Wasser keinen Stock, sondern einen Schneebesen.

 

SL383421-Anlauger-Utensilien

 

 

SL383424-Anlauger Packung

SL383426-Anlauger-Gebrauchsanweisung

 

 

Barbara trägt den Anlauger mit einem großen Schwamm auf. Den Anlauger lassen wir dann so ca. 1/4 bis 1/2 Stunde einziehen, bevor die eigentliche Reinigungsprozedur beginnt.

 

DSCI1164-Anlauger mit Schwamm aufbringen

 

 

 

 

 

3. Arbeitsgang: Mit Hochdruckreiniger ‘Abkärchern’ (oder mit Schrubber bzw. Wurzelbürste kräftig schrubben)

 

 

Ich benutze hier als ‘Kärcher’ einen relativ starken und guten “Alto”-Hochdruckreiniger. Er stammt noch aus D-marks-Zeiten und kostete so um die 700 Mark. Er hat einen Wasserdurchsatz von ungefähr 9-10 Liter pro Minute (500-600 Liter/h), was vor allem wichtig ist, wenn man ihn zur Rohrreinigung verwenden will. Ein ähnliches, neueres, mit Alto verwandtes Gerät findet man als “Nilfisk E 130.2-9 X-tra” Hochdruckreiniger z.B. bei Amazon für ca. 270 € (2012). Dort findet man auch eine genauere Beschreibung.

 

DSCI1450-Kater Kärchert-1

 

 

Ich benutze als Düse eine schonend-breitflächige (sog. ‘Tornadodüse’ mit Druckregulierung). Bei der Punktstrahl-Powerdüse würden mir die abgeplatzten Steinbröckchen um die Ohren fliegen.

DSCI1465-Kater kärchert-2

 

DSCI1464-Breitstrahl-Düse

 

 

      DSCI1478-Kärcherstrahl-1

 

 

DSCI1481-Kärcherstrahl-2

 

 

 

 

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Früher, als ich mich in meiner Anfangszeit um die Platten kümmerte, habe ich mühseligerweise einen Schrubber benutzt. Also erst mal mit dem Schrubber den Anlauger aufgetragen, dann heftig und ausdauernd Stück für Stück geschrubbt und anschließend mit Wasser abgespritzt. Ich dachte fälschlicherweise: Mit dem Hochdruckreiniger geht das nicht, der starke Strahl der Düse reißt mir die Platten kaputt. Bis ich auf den Dreh kam, daß es ja auch eine schonende Düse als Zubehör gibt und nicht nur die von mir favorisierte Powerstrahl-Düse. Das war dann eine echte Arbeitserleichterung und ich hatte endlich nicht mehr den Horror vor dem Schrubben!

 

SL383436-Schrubber

 

Schrubben - wieder ist ein Stück endlich fertig. Ich fasse so eine Arbeit halt nicht sportlich auf, sondern eher als notgedrungene Quälerei.

      SL383441-nach dem Schrubben

 

Nach dem Schrubben abspülen:

SL383444-nach dem Schrubben abspülen

 

Erstes Ergebnis: hier muß noch mal mit Algenkiller rangegangen werden!

SL383446-Schrubben-erstes Ergebnis

 

Schließliches Ergebnis:

SL383458-Terrasse-1

 

SL383487-Terrasse-2

Zum Vergleich noch mal der Zustand vor der Reinigung:

SL383398-unansehnlich-3-600

 

 

 

 

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Eine ganz besondere Methode hat sich Barbara ausgedacht, nämlich mit der Wurzelbürste ranzugehen. Das war die bisher gründlichste Methode - allerdings die zeitraubendste - und vielleicht auch anstrengendste.

SL383459-Wurzelbürste + Handschuhe

 

SL383464-Bürsten (Nahaufnahme)

 

SL383467-Bürsten-Barbara

 

Erstes Ergebnis:

SL383478-Bürsten-erstes Ergebnis

 

 

 

 

 

4. Arbeitsgang: schwarze Pilzflecken mit Messingdrahtbürste angehen

 

Was sind das für schwarze Flecken auf einigen der Solnhofener Platten? Der Algenkiller kann ihnen nix anhaben und Abkärchern bzw. Schrubben ebensowenig. Meine Vermutung ist,  daß es sich um einen Pilz handelt. Man findet darüber so gut wie gar nix im Internet. Möglicherweise handelt es sich um den Befund von Bachmann (1916):

“Bachmann fand auf dem Solnhofener Plattenkalk einen kalklösenden Pilz (Pharcidia lichenum), dessen korrodierende Wirkung aber nur sehr gering war.” (Aus G. Blöchliger: Mikrobiologische Untersuchungen, Dissertation 1931 ETH Zürich, Seite 9).

Bachmann, E., Ein kalklösender Pilz. Ber. d. Deutsch. Bot. Ges.Bd. 34. 1916. S. 581.

 

SL383495-schwarze Flecken-1

 

 

In jedem Fall hat es sich bewährt, eine Messingdrahtbürste einzusetzen, um die schwarzen Flecken zu bekämpfen. Es darf keine normale Stahldrahtbürste sein, da der Abrieb langanhaltende Rostflecken auf den Platten erzeugt: man hätte also den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben.

SL383485-Messingbürste-1

Die rechte Platte mit dem Riß (unteres Bild) ist identisch mit der Platte im oberen Bild, wo der Eimer draufsteht. Ich denke das Ergebnis, das mit der Messingdrahtbürste erzielt wurde, ist nicht schlecht. Doch so richtig gut ist das noch nicht - und hilft auch nicht immer, vor allem nicht bei ganz finsteren Stellen. Man müßte ein Mittelchen finden, das in Kombination mit der Drahtbürste eine optimalere Wirkung erzielt!

SL383507-Ergebnis der Messingbürste

 

 

In der Tat gibt es solche Mittelchen: das Stichwort ist ‘Chlor’. Ein Leser dieser Website schrieb mir, er hätte gute Erfahrungen mit “HMK® R160 Moos- und Schimmel-Ex” gemacht. Das habe ich bei meiner letzten Reinigungsprozedur ausprobiert. Bei meinen echt schwarzen alten Flecken half das jedoch lediglich ansatzweise - aber immerhin.

 

DSC06570-HMK-160 auf Tisch

 

 

Wie man sieht, war ich wegen dem ‘Chlorzeugs’ (es enthält Hyperchlorit-Lösung und wird aufgesprüht) zunächst extrem vorsichtig, nachher wurde ich etwas nachlässiger.

 

        DSC06572-HMK-160 Beschreibung

 

Hier die drei Etappen einer Anwendung:

DSC06581-erste Etappe

 

DSC06583-zweite Etappe

 

DSC06585-dritte Etappe

 

Also schon ein echter Unterschied gegenüber der Ausgangslage! Ich denke, wenn man das bei jeder Reinigung wieder neu anwendet, wird das Ergebnis im Laufe der Jahre immer besser. - Aber ich hatte vor Jahr und Tag schon mal ein ähnliches Mittelchen angewendet, mit ähnlichem Ergebnis. Es ist ebenfalls so ein Chlorzeugs (enthält Natriumhypochlorit), vor dem man sich in Acht nehmen sollte:

 

        P1080536-Sagrotatan-Schimmel Ex

 

 

P1080537-Sagrotan-reizend

 

Von beiden obigen Mittelchen ist Sagrotan entschieden billiger. Aber bei meinem nächsten Test werde ich den ganz stinknormalen (und vergleichsweise extrem billigen) Chlorreiniger “Dan Chlorix” verwenden. In einer Amazon-Rezension schreibt “Galaxia3004” am 12.10.13:


Beton, Fundamente, Beläge von Algen, Schimmel und Moos werden beseitigt. Das Fundament wird wieder rein und ist außerdem für eine längere Zeit gegen neuen Befall geschützt. 1 Teil DanKlorix verdünnt mit ca. 1 Teil Wasser. Den gröbsten Schmutz weg bürsten und das Fundament mit Wasser spülen. Danach mit DanKlorix-Lösung abbürsten und 30 Minuten einwirken lassen. Anschließend mit Wasser nach spülen.

Genau dieses Rezept werde ich beim nächsten Mal anwenden!

 

 

 

 

 

5. Arbeitsgang: Ausbessern der Platten

 

Eine typische ausgeplatzte Stelle:

DSC06591-ausgeplatzte Stelle-600

 

Das ausgeplatzte Stück:

DSC06593-das ausgeplatzte Stück

 

Auftragen des Flex-Fliesenklebers:

DSC06590-Auftragen des Fliesenklebers

 

Wie man sieht, hat Barbara dafür ein Händchen:

DSC06592-Auftragen des Klebers am Rand

 

Hier sieht man als Ergebnis das eingeklebte Plattenstück. Am Rand muß noch vorsichtig saubergeputzt werden, daß sich keine Zementflecken festsetzen. Und die Vertiefungen in der Nähe können auch noch einiges an Kleber vertragen, um den Boden glatt zu machen - vor allem, damit sich keine Angriffstellen für Frostschäden halten können.

DSC06597-eingesetztes Plattenstück

 

Hier also das fertige Ergebnis, nachdem die Platten sich nach unserer Behandlung nach und nach aufgehellt haben:

P1080674-ausgeflickt-1-600

 

 

 

 

 

6. Arbeitsgang: evtl. ein Oberflächenschutz

 

Durch den bekannten Online-Versand “Pearl” bin ich vor Jahr und Tag auf die Stein-Versiegelung von “nano24direct” gestoßen. Ob es sich aber wirklich um eine Perle handelt oder um Schunde, sei dahingestellt. Der Firmennamen taucht zwar 100mal im Internet auf, aber mir ist es z.Zt. (2012) nicht gelungen, da was ernsthaftes zu finden. Man kann die Firma also gar nicht mehr erreichen - was irgendwie verdächtig ist, wenn das Zeug doch angeblich so gut ist. Mit “Nano” kann man wohl Geschäfte machen. Ein ganz analoges Produkt findet man z.Zt. (2012) als “Nano Steinversiegelung” für 78 € pro Liter. Auch hier findet man in der Beschreibung den “Lotus-Effekt”. In der Beschreibung findet sich folgende interessante Passage:

Unser Tipp: Sollte die Wirkung der Nano Steinversiegelung (Lotusblüteneffekt) mit der Zeit etwas nachlassen, so kann diese problemlos mit einer  geringen Menge an Nano Steinversiegelung aufgefrischt werden. Bei  starkem, lang anhaltendem Regen ist es möglich, dass dennoch Wasser in  den Stein eintritt. Der Schutz der Nanoversiegelung bleibt aber dennoch  erhalten und der Lotuseffekt tritt nach dem Trocknen wieder ein.

Ich sehe da folgende Kritikpunkte:

1. horrender Preis.

2. Der Stein hat zwar nach der Behandlung einen nachweisbaren Abperleffekt - aber Algen bilden sich trotzdem noch irgendwann, und Schmutz natürlich ebenso. Richtig beweisen läßt sich aber nix. Es kann ja sein, Algen und Schmutzbildung haben sich verringert.

Da ich mittlerweile die Firma “Mellurud” mit ihren Produkten zu schätzen gelernt habe, würde ich in Zukunft  (wenn überhaupt) zur Steinversiegelung von Mellurud greifen. Hier kosten 2,5 Liter 38 € (2012). Es gibt aber auch noch andere Stein-Imprägnierungs-Produkte, beispielsweise manchmal bei Aldi. Es kann jedoch sein, daß man vorsichtig bezüglich Flecken sein muß. Vgl. dazu die Rezension bei Amazon bzgl. “Mem-Stein-Imprägnierung” von Petra B. vom 11. Juli 2012. - Dieses Problem hat man mit der Nano-Steinversiegelung allerdings nicht.

SL383501-Versiegelung-Gebrauchsanweisung

 

Zum Auftragen benutze ich hier wieder das Drucksprühgerät:

SL383500-Versiegelungs-Utensilien

 

Weil das Zeug so teuer war, versiegele ich lediglich die Terrasse.

SL383503-Versiegelung der Terrasse

 

 

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Steinbruch von Solnhofen im 19. Jhdt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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